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Jürg Brändli, geboren 1971 in Wald Kt. ZH, arbeitete als Journalist und schrieb 1996 das Drehbuch zum preisgekrönten Low-Budget-Film «Nacht der Gaukler». Seither hat er weitere Drehbücher verfasst, u. a. für die Kinofilme «Auf Herz und Nieren», produziert von Til Schweiger, und «Grounding», sowie für die Fernsehfilme «Havarie», inszeniert von Oscar-Preisträger Xavier Koller, und «Spital in Angst». Jürg Brändli ist Autor diverser Hörspiele, Kurzgeschichten und Theaterstücke. Er lebt und arbeitet in Zürich. Nach «Phantomschmerz» (2000) ist «Der Aufstand» seine zweite Prosa-Veröffentlichung. |
Jürg Brändli Mit dem Thriller «Der Aufstand» bietet Jürg Brändli - «ein Mann der Handlungen, Spannungen, Mysterien» - eine Geschichte mit Politik, Polizei, Medien und Sträflingen, bei der man froh sein kann, dass sie erfunden ist. Taschenbuch 192 Seiten
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Die Meldung kam kurz nach 16 Uhr. «An alle Einheiten. Wir haben ein Tötungsdelikt bei der Mühle Trichtenhausen. Gefahndet wird nach einem roten Mazda mit Zürcher Kennzeichen.» Greta Ganz war soeben in ihre Wohnung an die Zwinglistrasse zurückgekehrt. Den ganzen Morgen über hatte sie im Café Casablanca Latte macchiato getrunken und die Zeitungen des Tages gelesen. Da-nach hatte sie sich im Jamarico endlich ein neues Paar Creepers gekauft, solide schwarze Wildlederschuhe mit dicken Kreppsohlen, und schliesslich war sie auf den Flohmarkt in der Stadthausanlage gegangen, um nach alten Vinylscheiben von Elvis Presley und Buddy Holly zu suchen. Sie tat es, um die raren Plattenhüllen jeweils zu rahmen und bei sich zu Hause aufzuhängen, wenn sie wieder einmal fündig geworden war. Diesmal hatte sie allerdings kein Glück gehabt. Greta war 31 Jahre alt, sie arbeitete als Videojournalistin beim Stadtzürcher Fernsehsender ZüriNet, und heute, an einem sonnigen Samstag im September, wäre eigentlich ihr freier Tag gewesen. Daraus wurde nichts. Greta sass auf ihrem kleinen Balkon zum Hinterhof und hatte eben ein kleines Vollmond-Bier geöffnet, als ihr Analogfunkscanner im Schlafzimmer die Durchsage des städtischen Polizeifunks abfing. Mord. An der Stadtgrenze zu Zollikon hatte es einen Toten gegeben. Greta zögerte keine Sekunde. Sie sprang auf, packte die Nylontasche mit ihrer persönlichen dvc-Kamera und verliess eilends die Wohnung. Im Treppenhaus, auf den Stufen nach unten, band sie ihr dichtes dunkles Haar zu einem Pferdeschwanz. Es war das unbewusste Zeichen, dass sie im Dienst war. Vor dem Haus stieg Greta in ihren dunkelblauen Fiat Uno. Sie verliess den Kreis 4 über die Stauffacherstrasse, und fünf Minuten später war sie bereits unterwegs Richtung Forch. Normalerweise waren die Durchsagen der Stadtpolizei digital und verschlüsselt. Nur in ganz wichtigen Fällen ging das Signal analog hinaus, damit es auch die Hilfspolizisten und jene Hausfrauen empfangen konnten, die fürs Verteilen von Parkbussen bezahlt wurden. Dies war heute der Fall. Jemand hatte den Wagen des mutmasslichen Täters erkannt, und offenbar war eine Grossfahndung eingeleitet worden, für die es jede verfügbare Kraft brauchte. Als Greta bei der Mühle Trichtenhausen ankam, erkannte sie schon von weitem den polizeilichen Fahrzeugpark: die Streifenwagen, die zivilen Limousinen der Kriminalpolizei sowie die Lieferwagen der Spurensicherung. Auch ein grauer Bus des Bestattungsamtes stand am Strassenrand. Greta stoppte im Parkverbot und platzierte das Presseschild gut sichtbar über der Armaturenleiste. Dann stieg sie aus. Mit der Kamera eilte sie über den kiesigen Teerweg in den Wald. Beim Opfer handelte es sich um eine Frau. Sie lag im Wasser unterhalb des alten hölzernen Mühlrads. Die Leiche war nur zur Hälfte bekleidet und trug schlimme Spuren von Misshandlung. Um den Tatort drängten sich mindestens ein Dutzend Polizeikräfte. Der Fotograf machte Blitzaufnahmen. Uniformierte mit Plastikhandschuhen wühlten im Laub und suchten nach Spuren. Wurden sie fündig, dann markierten sie die Stelle mit einer Nummer. Angehörige der Seepolizei montierten Scheinwerfer auf Stative, da man offenbar davon ausging, dass es eine lange Nacht werden würde. Greta ignorierte das rot-weisse Absperrband und betrat die Todeszone. Mitten im unheimlichen Treiben erkannte sie Hannes Hohl. Der erfahrene Detektiv leitete den Einsatz und gab gedämpfte Kommandos. Soeben trillerte sein Mobiltelefon. Er ging ran. «Ja?», sagte er. Er hörte zu, dann runzelte er die Stirn. «Alles klar», meinte Hohl. Er klatschte in die Hände und bat sein Team um Aufmerksamkeit. «Wir haben den roten Mazda», informierte er. «Der Lenker fällt als Tatverdächtiger aber ausser Betracht. Es handelt sich um einen treuen Kunden der nahen Sägerei, mit einwandfreiem Leumund und keinerlei Kratzspuren.» Greta Ganz konnte sehen, wie die Nachricht auf die Motivation der Polizisten drückte. Ihre heisseste Spur hatte sich soeben in Luft aufgelöst. Erstmals erschienen 2006 im "Tagblatt der Stadt Zürich". |
Pressestimmen zu Jürg Brändlis Erstling «Phantomschmerz»: «Jürg Brändli ist ein Mann der Handlungen, Spannungen, Mysterien. Sein Buch ist gut, hart und überhaupt nicht herzlich.» Simone Meier, Tages-Anzeiger, Zürich «Das Buch liest sich in einem Zug.» Christian Weber, Zürich-Express «Die Geschichte ist gut geschrieben und wie ein Krimi konzipiert.» René Bortolani, Schweizer Familie, Zürich «Der Drehbuchautor Jürg Brändli beweist mit seinem Frauen-Porträt, dass seine Schreibe auch ohne Leinwand zu fesseln vermag» David Hesse, Metropol, Zürich
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